Während andernorts reihenweise Festumzüge oder Fußballspiele aufgrund der hohen Temperaturen abgesagt wurden, versammelten sich am vergangenen Wochenende in Kaufbeuren bereits zum vierten Mal Boxerinnen aus zahlreichen europäischen Ländern, um beim European Fusion Cup um die begehrten Titel zu kämpfen.

Das vom Bayerischen Amateur-Boxverband (BABV) organisierte Frauenboxturnier zieht inzwischen Teilnehmerinnen aus nah und fern an. Sogar eine Olympiateilnehmerin der Olympischen Spiele 2020 aus Algerien war am Start. Die Zuschauer bekamen dabei Boxsport auf absolutem Weltklasseniveau direkt am Ring geboten.

Auch die Bayern-Hof-Boxerin Hannah Langheinrich folgte gemeinsam mit ihrem Trainer Werner Peetz und Abteilungsleiter Jörg Langheinrich dem Ruf nach Kaufbeuren und stellte sich den Rekordtemperaturen im Süden Bayerns.

Die Vorbereitung verlief jedoch alles andere als optimal. Aufgrund einer Erkältung konnte Hannah in der vorletzten Woche kein einziges Training absolvieren. Auch in den Tagen vor dem Turnier rissen die schlechten Nachrichten nicht ab: Anfang der Woche sagte zunächst ihre erste Gegnerin ab, ehe sich am Donnerstag – nur einen Tag vor dem ersten Kampf – eine weitere Kämpferin aus Österreich verletzte und ebenfalls kurzfristig zurückziehen musste. Dadurch löste sich die ursprünglich vorgesehene Vierergruppe unmittelbar vor Turnierbeginn auf und Hannah stand plötzlich direkt in einem deutschen Finale gegen eine Boxerin aus Süddeutschland.

Nachdem Hannah am Samstag bis 19:30 Uhr auf ihren Einsatz warten musste, herrschten in der Halle nahezu unerträgliche Bedingungen: stickige Luft, hohe Luftfeuchtigkeit und Temperaturen von rund 40 Grad bei nahezu keinem Luftaustausch. Doch auch diesen außergewöhnlichen Rahmenbedingungen stellte sie sich entschlossen.

Ihre hochmotivierte Gegnerin wollte der frischgebackenen Deutschen Meisterin unbedingt Paroli bieten, suchte immer wieder den Infight, griff konsequent an und klammerte, wann immer sich die Gelegenheit bot. Kein schöner Kampf für die Zuschauer, aber ein intensiver.

Hannah hatte sichtlich mit den extremen Bedingungen zu kämpfen und gab die erste Runde nach einer etwas zu vorsichtigen Kampfführung knapp mit 2:3 Richterstimmen ab. In der Ringpause gelang es Trainer Werner Peetz jedoch, sie wieder aufzurichten und optimal auf die verbleibenden Runden einzustellen.

Mit 110 Prozent Einsatz und großem Kampfgeist drehte Hannah den Kampf anschließend eindrucksvoll. In einer wahren Energieleistung entschied sie die Hitzeschlacht im Ring schließlich klar für sich und gewann den Kampf am Ende einstimmig mit 5:0 Richterstimmen.

Wie sehr sie dabei an ihre körperlichen Grenzen gegangen war, zeigte der unmittelbar nach dem Kampf angeforderte Eimer im Ring. Diese Leistung rang selbst dem anwesenden Chef-Bundesjugendtrainer Andreas Schulze großen Respekt ab.

Nach dem erfolgreichen Turniertag ließ das Team den Abend schließlich bei einer wohlverdienten Brotzeit in einem Biergarten in Kaufbeuren ausklingen.