Bayern Hof hat eine Deutsche Meisterin im Olympischen Boxen

 
Als sich vor zwei Jahren die Wege von Boxtrainer Werner Peetz von der SpVgg Bayern Hof und der Kickboxerin Hannah Langheinrich das erste Mal kreuzten, konnte niemand erwarten wo man nach dieser Zeit der intensiven Zusammenarbeit heute mal stehen würde.
 
Viele Trainings im Hofer Boxkeller haben die beiden zusammen absolviert und zusätzlich noch viele Sonderschichten in der Boxscheune von Werner Peetz in Trogen. Man muss schon „positiv bekloppt“ sein und sein Privatleben dem Boxen verschrieben haben wenn man allein diesen zeitlichen Umfang meistern will. Und das ist der Bäckermeister aus Trogen in Rente ohne Zweifel.
Kontinuierlich haben die beiden die letzten Monate auf diesen Moment hingearbeitet. Immer wieder den Austausch gesucht mit dem Landeskadertrainer Kai Melder. Auch eine Niederlage beim Greifenpokal vor drei Wochen verarbeitet und vor allem den verlorenen Kampf genau analysiert und die Mängel abgestellt.
 
In der direkten Vorbereitung zur Deutschen Meisterschaft besuchte Hannah dann zwei Vorbereitungslehrgänge des Bayernkaders in Landshut und Weißenburg – in Abstand von zwei Wochen, zwischen denen sie noch ein Bundekadertraining der Nationalmannschaft im Kickboxen in Köln absolvierte.
Vom Lehrgang in Weißenburg ging es dann nahtlos mit dem Team Bayern im Kleinbus nach Rostock um dort Quartier zu beziehen für die Deutsche Meisterschaft. Dort konnte Hannah dann einen tollen Teamspirit innerhalb des Team Bayern erleben. Boxen ist zwar Individualsport, aber das Team funktioniert nur mit einem guten Teamgeist. Gegenseitiges Anfeuern, zusammen feiern oder auch trösten wenn der oder die Teamkolleg*in verliert, sogar die Zöpfe bei den Mädels einflechten hat im Team tadellos funktioniert.
 
So konnte Hannah am vergangenen Freitag bestens durch Kai Melder eingestellt und gut gelaunt in Ihren Finalkampf starten. Dieser Kampf war etwas Besonderes, denn die Gegnerin war keine Geringere als die Nationalmannschaftskämpferin und zweifache Deutsche U17 Meisterin im Boxen, Leni May Kannewurf aus Mecklenburg-Vorpommern, gegen die Hannah vor drei Wochen etwas unglücklich knapp beim Greifenpokal verloren hatte. So ergab sich bereits nach kurzer Zeit eine gute Chance für eine Revanche.
 
Hannah ging also hochmotiviert gegen die gleich große Athletin in den Kampf.
Dort setzte Sie den Matchplan von Kai Melder von Anfang an konsequent um.
Hatte sie beim ersten Aufeinandertreffen noch abwartend die erste Runde gekämpft, drehte Hannah dieses Mal voll auf und marschierte 3 Minuten lang nach vorne und beschäftigte Kannewurf immer wieder mit ihrer Führhand.
Immer wieder kam die Führhand ins Ziel und auch die Schlaghand schlug das eine oder andere Mal ein. Mit dieser Dominanz konnte Sie die erste Runde mit 4:1 Richterstimmen gewinnen. Leider verlor Hannah in Runde eins eine ihrer Kontaktlinsen, sodass sie mit Sichteinschränkung die restlichen 2 Runden kämpfen musste. Doch das beeindruckte Hannah nicht besonders. Kannewurf versuchte zwar in Runde 2 das Blatt noch zu wenden, hatte aber der dominanten Kampfführung von Hannah nichts mehr entgegenzusetzen und verlor so auch die Runden zwei und drei – sogar mit jeweils 0:5 Richterstimmen. Auch ihr permanentes Klammern half Kannewurf nicht mehr und wurde letztendlich nach mehreren Ermahnungen mit einer Verwarnung und einem Minuspunkt geahndet.
 
Dann stand Hannah Langheinrich nach 3×3 Minuten Kampfzeit als neue Deutsche Meisterin der U19 bis 70 kg fest und der Jubel kannte keine Grenzen.
 
Am Sonntag standen dann noch die Finals der Männer auf dem Plan, bei denen Hannah ihre Kollegen anfeuerte. Die Rückreise fand dann am Sonntag statt, wo Hannahs Eltern und ihr Trainer sie in Rudolphstein im Brückenrasthaus in Empfang nehmen konnten.
 
Hier wurde schon das nächste Training besprochen, denn die nächsten Turniere stehen schon vor der Tür. Boxen in Kaufbeuren Ende Juni, Kickboxen beim Weltcup im August in Ungarn und das große Ziel die Weltmeisterschaft im Kickboxen. Es wird also nicht langweilig in der Boxabteilung der SpVgg Bayern Hof. Parallel zum Einsatz seiner Tochter absolvierte Abteilungsleiter Jörg Langheinrich seine Ausbildung als Kampfrichter im Boxen an diesem Wochenende. Bayern Hof hat damit nach dem Tod des jahrelangen Abteilungsleiters und Kampfrichters Rainer Schübel wieder einen eigenen Kampfrichter.
 
Foto: privat