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Unser polnisches Abenteuer - Teil 1 | 2009-08-11




1966 hieß unser langjähriger Schatzmeister Paul Helbig. Er war während des Zweiten Weltkriegs als Soldat in Polen stationiert. Aus der Verbindung mit einer Polin entstammte sein Sohn Heinz Helbig. Der Vater hatte Kontakt zu seinem Sohn, der mit der Mutter im ehemaligen Oberschlesien blieb. Voller Stolz berichtete Helbig, dass sein Sohn für Polonia Beuthen spiele und auf Grund seiner hervorragenden Leistungen 15-facher polnischer Nationalspieler sei. Diese deutsch-polnische Verbindung hatte schon ein Jahr zuvor unseren Spieler Josef Kaiser im Rahmen der Familienzusammenführung nach Hof zu unseren Amateuren geführt. Ihm folgte Joachim Püls, der Libero gleichfalls bei Polonia Beuthen war und eine Gastspielreise nutzte, um sich nach Hof abzusetzen.

Im Sommer 66 fuhr dann Paul Helbig nach Schweden, dort spielte sein Sohn in der Intertotorunde (später UEFA-Pokal, heute UEFA Europa League) gegen JFK Norköpping. Als die Mannschaft vom Airportgebäude zur Maschine ging, fingen plötzlich drei Spieler an zu rennen und setzten sich von ihrem Verein ab. Vor über 40 Jahren ist man noch zum Flieger gelaufen. Für die Drei gabs vorher keine Chance zur Flucht, das Team war streng bewacht. Mit Paul Helbig fuhren Sie nach Hof – Sohn Helbig, Konrad Beiger (zweimaliger polnischer B-Nationalspieler) und Norbert Porgzeba (Mittelstürmer bei Polonia Beuthen).

Wer dachte, damit sei die Invasion der Ex-Oberschlesier beendet, täuschte sich. Wochen später türmte der nächste polnische Nationalspieler, Kasimir Frankiewicz von Legia Warschau, beim Länderspiel in Paris gegen Frankreich. Er berichtete mir, dass er Wochen vorher im Europapokal in Leipzig gespielt hatte, also nur 160 km von Hof entfernt, und schon damals gern getürmt wäre, aber er wusste, die DDR hätte ihn sofort nach Polen abgeschoben. Auch unvergessen seine Schilderung: „Wir wurden sogar auf der Toilette überwacht!“

Das Resümee: Wir hatten vier Ex-Nationalspieler Polens ohne Spielberechtigung und unternahmen alles, um mit dem polnischen Verband ins Gespräch zu kommen. Vom Hofer Theater unterstützte uns Henryk Schubert, der nicht nur perfekt polnisch sprach, sondern auch gute Kontakte nach Warschau hatte. Dann gab es noch einen österreichischen Spielervermittler namens Viktor Gartner, der sich angeboten hatte, mit Hilfe von Geld eine schnelle internationale Freigabe zu erreichen, ohne die jeder Spieler zwei Jahre lang für alle Ligaspiele gesperrt ist.

Wie es weiter ging und was aus den Spielern geworden ist, werde ich im nächsten Artikel berichten.


Franz Anders war Vorsitzender des FC Bayern Hof von 1966 bis 1970. In seiner Amtszeit wurden die Bayern Süddeutscher Meister und nahmen an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga und am Alpenpokal teil. Unter Anders Führung besuchte der FC Bayern 1969 Israel – als erste deutsche Mannschaft überhaupt. Für bayern-hof.de erzählt Franz Anders seine Vereinsgeschichte(n).

Unser Bild zeigt Franz Anders (rechts) zusammen mit Gerd Müller. Das Foto entstand 1968 auf der Grünen Au. Die Mannschaft des FC Bayern München war nach Hof gekommen, um sich das Spiel FC Bayern Hof gegen Borussia Neunkirchen in der Bundesliga-Aufstiegsrunde anzusehen.